Immer mehr Milchbauern drosseln Produktion

Deutsche Milchbauern nehmen Ruder gegen Preisverfall selbst in die Hand.

Die Milchproduzenten zeigen offenbar vermehrt Bereitschaft, das marktbelastende Überangebot an Milch aktiv zu drosseln. Das teilt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) mit. „Die Molkereien haben die Auszahlungspreise an die Bauern gerade ein weiteres Mal abgesenkt, und sie machen uns keine Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage.“, zeigt sich der stellvertretende AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann kampfbereit. „Wir erzeugen mehr Milch, als zu vertretbaren Preisen nachgefragt wird. Dieses Überangebot macht uns kaputt, also müssen wir runter vom Überschuss“, so Ilchmann weiter. Derzeit werde aber nicht weniger Milch erzeugt, sondern noch mehr als im Rekordjahr 2014.

Die AbL beruft sich bei ihrem Marktüberblick auf offizielle Erhebungen. Demzufolge liegen die Anlieferungsmengen an die Molkereien in Deutschland seit Anfang Mai sogar noch über den Rekordwerten des Vorjahres. Viele Milcherzeuger versuchten 2014, die Liquidität durch mehr Menge zu halten. „Doch so wächst der Überschuss, anstatt zu schmelzen, und der Preisdruck nimmt noch zu“, weiß Ilchmann.

Umdenken hat eingesetzt
Ilchmann weiß aus vielen Diskussionen bei Versammlungen, dass gerade ein großes Umdenken stattfindet, wie er erklärt. „Die vielen Gespräche in den letzten Wochen zeigen deutlich, dass immer mehr Kollegen bereit sind, ihre eigene Milcherzeugung beispielsweise durch verringerte Kraftfuttergaben jeweils um einige Prozent zu reduzieren, wenn die Kollegen bundesweit und EU-weit mitziehen“, so Ilchmann, der in Ostfriesland selbst einen Milchviehbetrieb führt.

Die AbL fordert Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf, dem Ganzen einen Rahmen zu geben, etwa den Betrieben einen Bonus aus den letztmalig erhobenen „Superabgaben“ zu überlassen. Bundesminister Schmidt solle diesen Vorschlag beim anstehenden Sonderministerrat am 7. September in Brüssel einbringen und Mehrheiten dafür organisieren, so der AbL. Die Handelsketten fordert die Arbeitsgemeinschaft auf, nicht länger auf Billigangebote der Molkereien und Schlachtunternehmen einzugehen oder die Verbraucherpreise anzuheben.

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