IGW 2017: Tierwohl, Brexit und Suche nach Lösungen

Bereits einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Internationalen Grünen Woche begann die Suche nach Lösungen für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft.

Gestern öffnete in Berlin mit dem traditionellen Rundgang von Politikern und Vertretern von Branchenverbänden die 82. Internationale Grüne Woche (IGW) offiziell ihre Tore. War die heute weltweit größte Messe ihrer Art früher vorrangig eine Leistungsschau der internationalen Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, ist heute der politische Diskurs wichtiger denn je. Themen sind dieses Jahr unter anderem Tierwohl, der Brexit und – wie schon die Jahre zuvor – die Kommunikation mit den Verbrauchern sowie die gemeinsame europäische Zukunft.

Klares Ja zu Europa

Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach sich klar für die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik aus. „Wir brauchen eine engagierte Fortsetzung der europäischen Idee“, sagte Rukwied bei der feierlichen Eröffnung am Donnerstag. „Eine starke EU, deren Mitgliedstaaten in gemeinsamer und solidarischer Verantwortung handeln, ist daher wichtiger denn je.“ Gerade für die Landwirtschaft sei die Gemeinsame Agrarpolitik ein unverzichtbarer Stabilitätsfaktor. Das habe die zurückliegende Preiskrise deutlich gezeigt. Zudem sei klar geworden, dass sich die Landwirtschaft dem Einfluss internationaler Märkte nicht entziehen könne. Rukwied wörtlich: „Deutschland und Europa bleiben unser Kernmarkt, der Export in Drittländer ist eine unerlässliche Ergänzung. Eine selbstgewählte Abschottung würde uns schaden.“

Veränderung gestalten

Zum Verhältnis zwischen Verbraucher und Landwirten sagte Rukwied, dass es Aufgabe der Landwirtschaft selbst sei, die Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Ziel der Landwirte sei es, einen gangbaren Weg zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen in Deutschland und der globalen wirtschaftlichen Realität zu finden. „Wir Bauern stellen uns dieser Diskussion, wir wollen Veränderung gestalten! Wir wollen unsere Tierhaltung weiterentwickeln, Tierwohl und Tiergesundheit weiter verbessern, nicht-kurative Eingriffe reduzieren und den Ausstieg vollziehen, sobald praxistaugliche Lösungen für alle Tierhalter verfügbar sind.“, zeigte sich der Präsident zuversichtlich.

Tierwohl nicht zum Nulltarif

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt stellte am Donnerstag das Logo für das geplante staatliche Tierwohllabel vor. Der Minister setzt bei der Entwicklung des Labels auf Information, Klarheit und leichte Verständlichkeit für die Verbraucher. Dass so ein offizielles Label ein Wunsch vieler Verbraucher sei, zeige der aktuelle BMEL-Ernährungsreport 2017, heißt es aus dem Ministerium. 79 Prozent der Befragten wünschen sich demnach ein staatliches Tierwohllabel und 88 Prozent der Befragten würden mehr Geld für Lebensmittel ausgeben, wenn diese aus Haltungen mit höheren Tierwohl-Standards stammen. „Produkte mit dem Tierwohllabel müssen bezahlbar sein. Klar ist aber auch: Tierwohl zum Nulltarif kann es nicht geben“, so Schmidt. Das Tierwohllabel soll vorerst zwei Stufen umfassen. Eine dritte Stufe kann ergänzt werden, wenn sich nach der Markteinführung zeigt, dass es hierfür eine Nachfrage gibt. Je höher die Stufe, desto besser sind die Haltungsbedingungen der Tiere. Der Start ist für 2018 vorgesehen.

Britischen Markt offen halten

Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU („Brexit“) thematisierte DBV-Präsident Joachim Rukwied bei der Fragestunde des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ): „Das Vereinigte Königreich ist für die deutsche Landwirtschaft ein wichtiger Markt. 2015 wurden aus Deutschland für 4,8 Milliarden Euro Agrargüter und Lebensmittel auf die britische Insel geliefert.“ Der Agrar-Exportüberschuss Deutschlands mit dem Vereinigten Königreich liegt mit 3,4 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie insgesamt in die USA exportiert wird. Ein offener Markt mit dem Vereinigten Königreich habe bei den Brexit-Verhandlungen für uns hohe Priorität, sagte Rukwied. Auch die Folgen für die gemeinsame Agrarpolitik seien gravierend. So zähle das Vereinigte Königreich trotz des „Briten-Rabatts“ zu den Nettozahlern. Die Einzahlungen übertreffen die Rückzahlungen um 7 Milliarden Euro. „Im Agrarhaushalt würden also nach einem Brexit bei proportionalen Kürzungen in allen Haushalten über 3 Milliarden Euro fehlen“, erklärte Rukwied.

Auf 118.000 Quadratmetern zeigen 1.650 Aussteller aus 66 Ländern ihre Produkte. Partnerland ist dieses Jahr Ungarn. Erstmals präsentieren sich in einer eigenen Markthalle Streetfood-Anbieter und spezielle Manufakturen. Die Messe Berlin GmbH erwartet rund 400.000 Privat- und Fachbesucher. Die Internationale Grüne Woche 2017 dauert bis 29. Januar.

Weitere Informationen:
www.gruenewoche.de

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