Hitzewelle: Ein Neuanfang für die Landwirtschaft?

AbL-Bundesgeschäftsführer Janßen sieht in einer staatlichen Nothilfe keine nachhaltige Lösung für die Schäden durch die Hitzewelle. Er fordert, an den Lebensmittelpreisen anzusetzen.

Angesichts der Ernteausfälle durch die anhaltende Hitzewelle will die Bundesregierung den Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) abwarten. Erst dann möchte man in Berlin über Möglichkeiten der Nothilfe entscheiden. Der Bericht wird Ende August veröffentlicht. Währenddessen ist keine Linderung des heißen Agrarwetters in Sicht. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat indessen einen Brief an die Länder geschrieben, in dem sie Informationen zur Situation einfordert.

Staatliche Hilfe keine nachhaltige Lösung

Der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Georg Janßen, sieht in der derzeitigen Situation der Ackerbaubetriebe und Betriebe mit Tierhaltung ein grundlegendes Problem. Höhere Lebensmittelpreise sollen laut Janßen Landwirte auch in Krisenzeiten unabhängig machen. Das sprach Janßen in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung an. Vor dem Hintergrund des Klimawandels seien staatliche Hilfen keine nachhaltige Lösung.

Höhere Lebensmittelpreise könnten Schäden durch Hitzewelle verringern

Die Forderung des DBV an den Staat, den Landwirten mit einer Milliarde Euro zu helfen, unterstützt Janßen nicht. “Wir wollen keine Staatsknete”, sagte er der Zeitung. Die Bauern würden das Geld nicht ablehnen, aber es helfe nicht, so der AbL-Bundesgeschäftsführer. Er sieht darin keine Lösung für die existenziellen Probleme der Landwirte. Man müsse viel weiter denken, als undifferenziert Hilfsgelder rauszuschmeißen. Er schlägt vor, dass sich der Getreidehandel, Schlachthöfe und Molkereien mit den Landwirten an einen Tisch setzen. “Wir müssen Aldi, Lidl und Co vermitteln, dass die Verträge zu einer Zeit ausgehandelt wurden, in der wir uns die Dürre noch gar nicht in diesem Ausmaß vorstellen konnten”, so Janßen. Man müsse darüber reden, wie wir zu fairen Erzeugerpreisen kommen. Er sieht Marktsolidarität als einzige akute Hilfe. Die Landwirtschaft würde sich weg von der staatlichen Abhängigkeit hin zur privatwirtschaftlichen Branche bewegen.

Handel und Konsumenten sind bereit

Dass Konsumenten höhere Preise akzeptieren, darin sieht Janßen kein Problem. Auch eine aktuelle forsa-Umfrage zeigt den Trend hin zum Qualitätsbewusstsein. In hochwertigen Produkten sieht nicht nur Janßen einen Zukunftsmarkt, sondern auch der Handel. Aldi hat angekündigt in den Umbau von Betrieben zugunsten des Tierwohls zu investieren. Edeka Südwest hat Zehn-Jahres-Verträge gemacht, um Landwirte zur Umstellung auf höhere Tierschutzstandards zu ermutigen.

Janßen appelliert aber auch an die Landwirte selbst. Sie müssten klimaschonender arbeiten und auf Pestizide verzichten sowie den Grünlandanteil erhöhen. Die Fruchtfolgen müssten vielfältiger werden. Denn Monokulturen seien besonders anfällig für Katastrophen wie die jetzige.

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