Go East? Die russische Landwirtschaft und deutsche Investoren

Chancen und Risiken in der russische Agrarindustrie

In Sachen Landwirtschaft ist Russland ein ganz besonderer Fall. Zwar gibt es in dem Land fast unerschöpfliche Mengen an qualitativ hochwertigem Ackerboden. Dennoch müssen seit dem Ende der Sowjetunion ständig Lebensmittel in riesigen Mengen importiert werden. Das bietet die Möglichkeit, gewinnbringend zu investieren

Grund für den schlechten Zustand der russischen Landwirtschaft ist das kommunistische Erbe. Wegen der jahrzehntelangen Misswirtschaft waren die landwirtschaftlichen Betriebe nach 1989 in einem bedauernswerten Zustand. Deshalb liegen weite Teile des fruchtbaren Bodens noch heute brach, obwohl der Bedarf an Lebensmitteln nicht einmal annähernd gedeckt ist.
In den vergangenen Jahren musste Russland die Hälfte aller Lebensmittel einführen. Die andere Hälfte kommt meist von kleinen, privaten Höfen und tausenden Gemüsegärten. Gehandelt wird meistens rein privat. Von einer funktionierenden Agrar-Industrie in großem Stil ist Russland noch weit entfernt.

Riesen-Projekte dank Wachstum

Doch es gibt Lichtblicke. Das massive Gesamtwirtschaftswachstum, das seit 1999 immer zwischen fünf und zehn Prozent lag, zieht die Landwirtschaft mit. 2008 wuchs die Agrarindustrie bis September um stattliche 6,5 Prozent.
Russische Anleger beginnen, riesige Summen in Agrar-Projekte gigantischer Größe zu stecken. „Unternehmer, die es in anderen Branchen zu Geld gebracht haben, investieren in der Provinz, kaufen mal eben 300.000 Hektar und modernisieren Ställe und Geräte. Inzwischen gibt es in Russland 30 große landwirtschaftliche Holdings und etliche Großbetriebe“, berichtet Spiegel Online.

Chancen für deutsche Betriebe

Kein Wunder, dass auch ausländische Investoren und Exportfirmen ein Auge auf den russischen Markt geworfen haben.
Einer der ersten, der dieses Potenzial erkannt hat, ist der Gründer und Geschäftsführer der deutsch-russischen Unternehmensgruppe Ekoniva, Stefan Dürr. Gleich nach der Wende ging Dürr nach Russland, zunächst als Agrarpraktikant. Heute bewirtschaftet Ekoniva 100.000 Hektar und macht einen Jahresumsatz von 195 Millionen Euro. Dürr handelt mit europäischem Saatgut und Landmaschinen und „deckt das ganze Spektrum an Dienstleistungen im Agrarbereich ab“, wie es bei Ekoniva heißt. Erst kürzlich erhielt er für sein Engagement für die deutsch-russische Zusammenarbeit sogar das Bundesverdienstkreuz.

Suche nach Maschinen

Ein anderes Beispiel ist der deutsche Landtechnikspezialist Lemken. Schon seit fünf Jahren ist Russland für Lemken der größte Exportmarkt überhaupt. „In Erwartung eines weiterhin stark steigenden Osteuropa-Geschäfts”, heißt es in einer Pressemittleiung, will Lemken sein Engagement dort sogar noch weiter ausbauen.
Der Bedarf an leistungsfähigen Maschinen ist in Russland derzeit kaum zu stillen. Die Wartezeiten für Traktoren, Häcksler und Pflüge betragen nicht selten Jahre. „Die ganze Welt jammert, dass Russland zu viel Landtechnik kauft“, sagt ein Ekoniva-Mitarbeiter auf spiegel.de halb im Scherz.

Vorteil für deutsche Betriebe

Hinzu kommt, dass deutsches Know-How besonders begehrt ist, weil die Situation für viele Landwirte nach der Wende in Deutschland ähnlich war. Nicht wenige deutsche Agrarbetriebe haben schon einmal ehemals planwirtschaftliche Höfe erfolgreich wieder aufgebaut. Dieses Vorwissen macht deutsche Partner in Russland einzigartig.
Was meinen Sie? Entwickelt sich Russland wirklich zum El-Dorado für deutsche Agrar-Investoren? Oder sind wir Zeugen einer kurzlebigen Phase in der russischen Entwicklung? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

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