Glyphosat-Streit geht weiter: Gefährlich oder nicht?

Das Hin und Her um den Wirkstoff Glyphosat nimmt kein Ende. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft den Stoff nun doch als gefährlich ein.

Nachdem das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) Anfang Juni eine Studie vorgelegt hatte, derzufolge Glyphosat relativ unbedenklich sei und somit versucht hatte, die Vorabwarnungen der Krebsforschungsagentur (IARC), die im Auftrag der WHO arbeitet, zu relativieren, hat nun die IARC das endgültige Ergebnis der Studie vorgelegt. Glyphosat sei doch „wahrscheinlich krebserregend“, heißt es darin.

Umweltverbände wie der NABU fordern erneut „bis zur endgültigen Klärung“ die sofortige Aussetzung von Glyphosat. Auch die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Europäische Union aufgefordert, keine neue Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat zu erteilen.

Arbeitsgruppe Glyphosat: „Kaum praktische Relevanz für Bewertung als Pflanzenschutzmittel“
Die Arbeitsgruppe Glyphosat (AGG) kritisiert die IARC-Veröffentlichung als wissenschaftliche Einzeldarstellung, die keine Risikobewertung, höchstens eine Identifikation möglicher Risiken ist. „Wir gehen davon aus, dass die Zulassungsbehörden, die in aller Welt übereinstimmend der IARC-Einschätzung widersprechen, die Ergebnisse sorgfältig prüfen werden.“, so AGG-Sprecherin Ursula Lüttmer-Oazane. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde sich dabei zeigen, dass die Klassifizierung wenig bis keine praktische Relevanz für die Bewertung möglicher Risiken hat, die mit dem Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft verbunden sind.

Die IARC selbst weist in der Präambel der Studie auf den Unterschied zwischen Risikobewertung und Identifikation möglicher Risiken hin. „Die Unterscheidung zwischen Gefahr und Risiko ist entscheidend, und die Monographen ermitteln Krebsgefahren auch dann, wenn bei der aktuellen Exposition die Risiken sehr gering sind, da künftige Nutzung oder unvorhersehbare Exposition Risiken hervorrufen könnten, die bedeutend höher sind.“, heißt es dort.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel – über 700.000 Tonnen werden pro Jahr versprüht. In Deutschland werden 6.000 Tonnen ausgebracht, wobei rund 39 Prozent aller Ackerflächen behandelt werden.

Alle Argumente der Arbeitsgruppe Glyphosat (AGG) gegen die IARC-Studie kann man auf der Website der AGG nachlesen.

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