Freihandel mit Japan: Expertin prognostiziert Wachstum für EU-Landwirte

Diese Woche wird der Freihandel mit Japan unterzeichnet. Eine Marktananalytikerin sieht Vorteile für die europäischen Landwirte. Für die AbL stellt sich das Abkommen nicht ganz so positiv dar.

Während das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) noch nicht zu Ende verhandelt ist, haben die EU-Staaten dem Freihandel mit Japan (Jefta) jetzt zugestimmt. Die Unterzeichnung ist für 11. Juli geplant. Ziel ist es, Zölle und Handelshemmnisse abzubauen. Der Vertrag soll 2019 in Kraft treten und bis 2040 schrittweise umgesetzt werden. In manchen Bereichen steht das Abkommen in der Kritik. Verbraucherschützer warnen zum Beispiel vor höheren Kosten für Trinkwasser oder Entsorgungsdienstleistungen. Den EU-Landwirten macht Marktanalytikerin Janine Pelikan vom Thünen-Forschungsinstitut in einem Interview mit der Tageszeitung “taz” Hoffnung. Sie prognostiziert, dass viele europäische Landwirte mehr produzieren werden, ihre japanischen Kollegen dagegen weniger.

Wachstum für Schweine und Geflügel

„Im Schweine- und Geflügelfleischsektor dehnt sich nach unseren Modellrechnungen die Produktion um gut 3 Prozent aus, während sie in Japan um knapp 14 Prozent sinkt“, sagte Pelikan der Zeitung. Diese Zahlen beziehen sich auf die gesamte Schweine- und Geflügelfleischbranche inklusive der Schlachtindustrie.

Die Analysen der Wissenschaftler zeigen zudem, dass die Rohmilchproduktion in Deutschland um etwas weniger als 1 Prozent zunehmen wird, in Japan hingegen um bis zu 3,4 Prozent zurückgeht. „Insgesamt kann die Agrarproduktion der EU durch dieses Abkommen um 0,7 Prozent steigen“, ergänzte die Expertin. „Die Produktion in Japan geht bei fast allen Produkten zurück.“

AbL kritisiert Freihandel mit Japan

Während sich der Deutsche Bauernverband nicht gegen Jefta wehrt, übt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) trotz der Analyse des Thünen-Instituts Kritik. „Das heißt noch nicht, dass sich das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern auf den Höfen verbessert. Für die Bauern ist es nicht wichtig, dass die Menge steigt, sondern sie brauchen mehr Wertschöpfung. Und das ist nicht automatisch sichergestellt“, sagte AbL-Handelsreferentin Berit Thomsen der taz. „Außerdem zeigen wir uns solidarisch mit den Bäuerinnen und Bauern in Japan. Die wird diese Exportpolitik treffen. Wir wollen nicht, dass wir hier eine Exportpolitik haben, die dort Strukturen zerstört“, gibt Thomsen zu bedenken.

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