Fleischersatz: Verwirrung um Produktbezeichnungen

Formschnitzel wird künftig nicht mehr “Schnitzel” heißen, dafür gibt es nachwievor vegane Bratwürste. Verbände kritisieren die neuen Leitsätze für die Bezeichnung von Fleischersatz.

„Damit wird zwar der bestehende Wildwuchs bei Veggie-Bezeichnungen kanalisiert und die größten Auswüchse beseitigt“, kommentiert DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken die neuen Regelungen für die Bezeichnung von Fleischersatz. Diese sind in den „Leitsätzen für vegane und vegetarische Lebensmittel mit Ähnlichkeit zu Lebensmitteln tierischen Ursprungs“ zusammengefasst. Ausgearbeitet wurden die Leitsätze von der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Ausgereift scheint die Lösung nicht zu sein, denn die Unterscheidungen muten kompliziert an.

Produkte auf Fleischgrundlage dürfen nicht mehr “Schnitzel” heißen

Nach wie vor sei schwer vermittelbar, wenn die Bezeichnung eines aus Pflanzenbrei bestehenden Stücks als „vegetarisches Schnitzel“ nicht beanstandet werde, so Krüsken. Eine aus Fleischbrei geformte Schnitte, also sogenanntes Formfleisch, darf nämlich nicht mehr “Schnitzel” heißen. Nach den Leitsätzen für echtes Fleisch und Fleischerzeugnisse ist ein Schnitzel eine zum Kurzbraten oder Grillen geeignete Scheibe von in natürlichem Zusammenhang belassenem sehnen- und fettgewebsarmen Fleisch. „Das passt nicht zusammen“, kritisiert Krüsken.

Die Leitsätze für Fleischersatz sehen folgende Unterscheidungen vor

► Bezeichnungen, die in Anlehnung an speziell gewachsene Fleischteilstücke wie „Schinken“ erfolgen, sollen künftig nicht mehr verwendet werden.

► Bezeichnungen in Anlehnung an geschnittene Fleischstücke, wie beispielsweise „Schnitzel“, können nicht mehr verwendet werden. Das gilt auch für Lebensmittel aus zerkleinertem Fleisch wie „Frikadellen“.

► Bezeichnungen für Kategorien von Wurstwaren, zum Beispiel „Streichwurst“ oder „Bratwurst“, sind auch für vegane Produkte weiterhin üblich.

► Bezeichnungen für spezifische Wurstwaren, wie „Lyoner“, „Salami“ oder „Leberwurst“, werden wiederum zukünftig nicht mehr verwendet. Hierbei wird auf Bezeichnungen wie “Typ Salami” oder “nach Art Salami” ausgewichen.

Auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) kritisiert die komplizierten Unterscheidungen und sieht eine Herausforderung für Lebensmittelhersteller. „Die Abstufungen sind bewusst gewählt, aber dennoch wird schon beim Lesen klar, dass die Unterscheidungen nicht auf Anhieb deutlich sind”, so Sieglinde Stähle aus der wissenschaftlichen Leitung des BLL. Das Konzept sei erklärungsbedürftig und es müsse noch viel Informationsarbeit betrieben werden.

Die kompletten Leitsätze können auf der Internetseite der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission als PDF geladen werden.

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