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Faire Milch? Verbraucherzentrale nimmt Molkereien, Handel und Projekte unter die Lupe

Verbraucher wollen mehr für Milch bezahlen, wenn genug Geld bei den Landwirten ankommt. Die Verbraucherzentrale NRW hat einige Marktangebote geprüft.

In den vergangenen Jahren sind die Milchpreise immer wieder stark gesunken, sodass die Erzeugerbetriebe kaum ihre Kosten decken konnten. „Viele Verbraucher wollen faire Preise für Milch zahlen, wenn diese auch tatsächlich bei den Landwirten ankommen“, sagt Frank Waskow, Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. Wie sich der Preis der Milch zusammensetzt, sei beim Einkauf allerdings schwer durchschaubar. Die Verbraucherzentrale hat jetzt die Preisgestaltungen verschiedener Molkereien, Projekte und Handelsunternehmen analysiert und zusammengefasst.

sternenfair

Die konventionelle H-Milch sowie die Milchprodukte von „sternenfair“, der Marke der MVS Milchvermarktungs-GmbH, werden in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und NRW angeboten. Die Milcherzeuger erhalten 40,15 bis 44,15 Cent pro Kilogramm Milch. Angesichts der steigenden Milchpreise plant die MVS für die „sternenfair“-Produkte eine Erhöhung der Auszahlungspreise im Februar 2022. Hinter der MVS steht der Verein freie Bauern e.V. mit 110 angeschlossenen Landwirten.

Die Faire Milch

„Die Faire Milch“ ist ein Projekt des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM). Der BDM schreibt pro Liter konventionelle Milch einen Grundpreis von 45 Cent fest. Laut Stiftung Warentest sei die Auszahlung jedoch nur lückenhaft rückverfolgbar, so die Verbraucherzentrale. Hofbetreiber würden nicht nach verkaufter Menge bezahlt, sondern erhalten eine Gewinnausschüttung auf ihre Genossenschaftsanteile, heißt es.

Berchtesgadener Land

Von rund 1.800 Milchviehhalter aus der südbayerischen Berg- und Alpenregion stammt die Milch des Molkereiunternehmens „Berchtesgadener Land“. Sie erhalten einen höheren Preis für die Milch als üblich: 41,34 Cent pro Kilogramm für die Bergbauern-Milch, 40,33 Cent pro Kilogramm für konventionelle Milch, 49,82 Cent pro Kilogramm für Bio-Naturland-Milch und 51,83 Cent pro Kilogramm für Bio-Demeter-Milch.

„Du bist hier der Chef“

Mehr als 9.300 Verbraucher haben im Rahmen der Initiative „Du bist hier der Chef“ über die Vergütung für die Milchbauernbetriebe abgestimmt. Die Landwirte erhalten 58 Cent pro Kilogramm Bio-Milch. Wenn notwendig stimmen die derzeit mehr als tausend Vereinsmitglieder über eine Erhöhung der Auszahlungspreise ab. Die unverbindliche Preisempfehlung von 1,45 Euro ist auf der Verpackung aufgedruckt, damit der Handel möglichst keinen höheren Preis festsetzt.

Schwarzwaldmilch

Die Molkerei Schwarzwaldmilch geht mit ihren Auszahlungspreisen transparent um und informiert dazu auf ihrer Homepage. So erhielten Erzeuger 2021 durchschnittlich für konventionelle Milch 40,32 Cent pro Kilogramm und für Bio-Milch 56,03 Cent pro Kilogramm.

Ein Herz für Erzeuger

Einen anderen Ansatz verfolgt Netto mit seiner Marke „Ein Herz für Erzeuger“. Seit 2008 werden unter anderem konventionelle Mich sowie Emmentaler Käse und Mozzarella mit einem Preisaufschlag von 10 Cent pro Packung angeboten. Die Werbung suggeriere, dass die Milcherzeuger einen Aufschlag von 10 Cent bekommen, so die Verbraucherzentrale. Die Höhe des Aufschlags richte sich jedoch nach dem Umsatzanteil der Milch „Ein Herz für Erzeuger“ am gesamten Milchumsatz von Netto. Beträgt er 10 Prozent, erhalten die Milchbetriebe laut der Verbraucherzentrale NRW von der Molkerei etwa 1 Cent zusätzlich. Nur wenn die gesamte Milch bei Netto als „Ein Herz für Erzeuger“-Milch verkauft werden würde, erhielte jeder Milchbetrieb 10 Cent pro Liter.

Verbraucherzentrale zieht Fazit

„Natürlich hilft jeder Cent mehr Erlös den Erzeugern“, so Frank Waskow. „Es zeigt sich jedoch, dass man auch die als ,fair‘ ausgelobten Milchangebote prüfen muss. In der Regel wird tatsächlich ein etwas höherer Milchpreis als bei anderen Milchmarken gezahlt – aber die meisten Marken decken in Zeiten niedriger Marktpreise nicht die Kosten vieler Milchbetriebe. Ein wirklich fairer Preis ist erst ab einem Aufschlag erreicht, der zumindest die Kosten der Milcherzeugung deckt.“

Foto: Mark Stebnicki/pexels.com

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