EU: Einheitlicher Tierschutz für fairen Wettbewerb

Deutsche Landwirte müssen in Tierschutz investieren, andere Staaten nehmen es nicht so genau – eine Wettbewerbsverzerrung. Das soll jetzt aufhören.

Die EU-Agrarminister haben sich darauf verständigt, eine EU-Tierschutzplattform einzurichten. Die Interessensgemeinschaft der Scheinehalter Deutschlands (ISN) begrüßt das Vorhaben. Tierschutz gehöre auf die europäische Ebene, so die ISN. Diese Plattform ermöglicht es zum ersten Mal, EU-weit über Rechte und Pflichten der Landwirte zu debattieren, was die Entzerrung des Marktes bringen kann.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
Während Deutschland europäisches Recht sofort und kompromisslos umsetzt, machen sich andere Länder nur gemächlich daran. Die Folgen: Deutsche Landwirte investieren in den Tierschutz und bleiben im Endeffekt auf den Kosten sitzen, welche die Kollegen aus dem EU-Ausland nicht haben und so billiger produzieren können.

Die EU-weite Umstellung auf die Gruppenhaltung von Sauen etwa trat nach einer zwölfjährigen Übergangsfrist am 1. Januar 2013 in Kraft. 2014 musste die EU-Kommission Frankreich, Belgien, Zypern und Griechenland ermahnen, weil nach einem Jahr noch immer nicht viel passiert war. Deutschland hingegen konnte zu diesem Zeitpunkt der EU bereits einen Umstellungsstand von 99 Prozent melden. Zwar sehr vorbildlich, für den deutschen Schweinemarkt bedeutete das aber einen Einbruch. Zahlreiche Sauenhalter gaben auf und die anderen mussten zum Teil viel Geld in die Hand nehmen, um die Vorgaben fristgerecht umzusetzen.

Bei Ferkelkastration nicht den gleichen Fehler machen
Aktuell liegt der ISN die betäubungslose Ferkelkastration im sprichwörtlichen Magen. In Deutschland ist sie ab 2019 Pflicht. In anderen EU-Mitgliedsstaaten wie den Niederlanden oder Dänemark gibt es lediglich eine freiwillige Vereinbarung. Wenn Deutschland die betäubungslose Ferkelkastration wieder im Alleingang umsetzt, sei die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schweinehaltung erneut bedroht, so die Interessensgemeinschaft. Das gleiche gelte für den Kupierverzicht. Die ISN denkt sogar einen Schritt weiter und warnt mit Blick auf TTIP davor, das gemeinsame Vorhaben an den EU-Grenzen enden zu lassen.

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