Erneuter Preissturz: Verramschte Qualitätsmilch

Nach dem Preissturz bei Käseprodukten Anfang Oktober ist nun die Trinkmilch in den Kühlregalen der Discounter an der Reihe. Aldi gab die neuen Preise am Montag bekannt. Der Preis für den Liter Vollmilch (3,5 Prozent Fett) ist demnach um 10 Cent von 69 auf 59 Cent gesunken. Quark, Sahne, Schmand und Crème fraîche sind um vier bis sechs Cent billiger geworden. Andere Handelsketten zogen, wenige Stunden nachdem Aldi die Preise bekannt gegeben hatte, nach.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) reagierte am Montag in einer Pressemitteilung heftig und mit Unverständnis. Es sei nicht akzeptabel, wenn Molkereien und Lebensmittelhandel als einzige Antwort auf die derzeitige Marktsituation in die alten Verhaltensmuster der Billigpreispolitik zurückfallen. Dies widerspreche auch deren Verantwortung gegenüber den Milchbauern und der Milchproduktion in Deutschland. Der DBV spricht dabei aber nicht nur den Handel, sondern auch die Molkereien an.

Landwirte nicht geschützt
Vor allem der Lebensmittelhandel trage angesichts der Konzentration von Einkaufsmacht eine besondere Verantwortung. Die jüngst vorgelegte Sektoruntersuchung des Bundeskartellamtes habe erneut gezeigt, wie bedenklich die Konzentration von Nachfragemacht bei wenigen Handelsketten ist. Die Landwirte haben nach Ansicht des DBV nur geringen Schutz vor dieser geballten Marktmacht.

Der DBV kritisiert auch, dass der Handel und die Molkereien bei den Landwirten immer höhere Standards einfordern und gleichzeitig die Produkte „verramschen“. Der Bauernverband sieht auch keine Unterstützung der Regierung von Landwirten. Bei Marktkrisen, wie im Falle des Russlandembargos, müssten Landwirte bei der Erschließung von neuen Absatzmärkten von der Bundesregierung noch stärker begleitet werden, so der DBV. Die Entwicklungen auf den derzeit enorm unter Preisdruck stehenden Agrarmärkten und was getan werden muss, damit sich das Ganze wieder einpendelt, wird der Bauernverband in seiner Sitzung am heutigen Dienstag erörtern.

Aldi: „Sinkende Rohstoffpreise“
Wie beim Käse auch begründet Aldi die Preissenkungen marktbedingt durch sinkende Rohstoffpreise. Derzeit gebe es bekanntermaßen ein Überangebot auf dem Milch- und Fleischmarkt, wodurch der Lebensmitteleinzelhandel einen günstigeren Einkaufspreis erzielen könne, heißt es aus der Konzernzentrale. Zu den Grundsätzen der fairen Preispolitik von Aldi gehöre es, dass erzielte Ersparnisse an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden, so der Discounter.

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