Ein Stück Urzeit in Brandenburg

Wenn man auf seiner Weide acht Tiere einer fast ausgestorbenen Rasse stehen hat, die weltweit nur rund 3500 Exemplare zählt, dann ist das sicher etwas Besonderes und könnte für viel Aufmerksamkeit sorgen. Doch ein Brandenburger Farmer züchtet die tonnenschweren Kolosse in ihrer ursprünglichen Heimat nicht zu Showzwecken, sondern aus Leidenschaft und zur ökologischen Fleischproduktion.

Wenn Norbert Linke von seinen Wisenten (Bison bonasus) auf seiner Wildfarm Werneuchen spricht, dann tut er das ganz sachlich und ohne viel Aufheben. Ihm geht es nicht um die Show. Seine Leidenschaft für die seltenen Kolosse merkt man dem Jäger mit Ausbildung als Rinderzüchter dennoch an. Er züchtet nämlich nicht aus rein pragmatischen Gründen: „Wisentzucht, das muss man wollen, das muss man mögen. Für den Aufwand wird man entschädigt, denn es sind sehr schöne Tiere. Dazu kommt: Sie waren hier in der Region ursprünglich heimisch, auch das macht den Reiz ihrer Zucht auf diesem Land hier aus.“

Ehemals als Bauingenieur mit dem Bau von Eisenbahnstrecken beschäftigt, entschloss sich Linke im Jahr 1999, etwas Neues zu machen. Wildtiere in der ökologischen, nachhaltigen Zucht haben es ihm angetan. Neben Rotwild und Wildschafen stellen die Wisente den kleineren Teil seiner Tiere auf den 50 Hektar seiner Farm mitten in Brandenburg. Deren Hauptzweck ist die Lebensmittelproduktion und der Verkauf von Lebendwild.

Die Wisentzucht baut Linke seit zwei Jahren auf und profitiert davon, dass die Tiere recht Pflegeleichtigkeit sind: „Die Tiere sind genügsam, das haben die Leute inzwischen auch begriffen und deswegen sind sie sehr begehrt. Das Wisent nimmt alles, weiche Hölzer, junge Bäume, Baumrinde, junges Laub, Grünpflanzen und Kräuter.“ Zusatzfutter und Kraftfutter sind bei solcher Vielfalt eher die Ausnahme als die Regel, allenfalls Rüben gibt der Züchter im Winter mal hinzu. Für eine Rübe kommen die teils mehr als eine Tonne schweren Tiere auch schon mal auf Zuruf, wenn sie Linkes Simme höhren.

Der Zucht an sich stehen keine allzu großen Hürden im Weg, aber Erfahrung muss sein. Linke kam seine Ausbildung als Rinderzüchter natürlich zupass, aber auch seine Tätigkeit als Jäger, denn: „Wisente sind Wild und das darf nur mit einer Kugel getötet werden, von einem Jäger.“ Darüber hinaus ist ein passendes Gelände nötig, zweimal im Jahr werden die Tiere entwurmt. Der Tierschutz schaut regelmäßig auf der Farm vorbei.

Die Tiere kauft Linke von Tierparks, die ihre Überbestände abgeben müssen. Wisentfleisch bringt beim Verkauf rund 15 Euro pro Kilogramm, und ein ausgewachsener Bulle bietet rund 700 Kilogramm verwertbares Fleisch. Dieses ist aufgrund seiner Qualität begehrt: „Es ist cholesterinfrei, sehr fest und sehr schmackhaft. In der Qualitätskette steht das Wisent unter dem japanischen Koberind und über dem gewöhnlichen einheimischen Rind,“ erklärt der Wildfarmer.

Die Wisentzucht von Norbert Linke ist noch im Aufbau, doch Pläne für die Vermarktung gibt es schon. Umsatz soll später über Direktmarketing und den Verkauf im Hofladen erzeugt werden. Auch den Gang in das nahe Berlin mit einem Spezialgeschäft kann Linke sich vorstellen, denn allein der Seltenheitswert des Wisentfleischs dürfte ihm genügend Aufmerksamkeit für seine Produkte sichern.

Ein Gedanke zu „Ein Stück Urzeit in Brandenburg

  • 16.06.18 um 1:41
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    Ich ziehe meinen Hut vor Herrn Linke, Leute wie er sorgen dafür das diese Tierart erhalten bleibt.
    Nur auf züchterischen Wege und über die an schließende Vermarktung wird die Tiergesundheit
    dieser Art garantiert. Bin selbst gelernter Zootechniker / Rinderzucht und begeisterter Straußenzüchter und weis um die großen Steine die einem von selbst ernannten “ Experten “ bei
    der Umsetzung seiner Idee in den Weg gerollt werden. Ich wünsche Ihnen viel Gesundheit und einen langen Atem.

    MfG Karsten N. Becker

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