Die Preisschere öffnet sich mehr und mehr

Ein Handeln gegen schlechte Preise für Landwirte ist längst überfällig.

Von Dezember 2013 bis Dezember 2015 sind die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte kontinuierlich, bis auf ein paar Schwankungen, um 15,1 %* gesunken. Im kurzen Zeitraum von Dezember 2015 bis Januar 2016 setzte sich der Trend um minus 0,5 %* fort. Dagegen bezahlen Verbraucher im Handel immer mehr. Der Verbraucherpreisindex ist im selben Zeitraum um 1,3 %* gestiegen.

Die Einkaufspreise für landwirtschaftliche Betriebsmittel sind in diesem Zeitraum zwar um knapp 4 %* gesunken, doch das ist im Vergleich gering. Vorallem angesichts der Tatsache, dass Betriebe aufgrund von Regelements und Forderung nach Qualität immer mehr in moderne Landwirtschaft investieren müssen, spielen die paar Prozentpunkte keine Rolle. Und da muss man ansetzen. Denn Umfragen zeigen einheitlich, das Verbraucher eine hohe Zustimmung zu heimischen Landwirtschaft und zu regionalen Lebensmitteln haben. Qualität gibt es aber nicht für umsonst. Der Deutsche Bauernverband (DBV) ruft die Landwirtschaft dazu auf, sich auf der Seite der Konsumenten zu sehen und „gemeinsame Sache“ zu machen.

Der Öffentlichkeit die Situation klar machen
Was tun gegen den Preisverfall? Lösungen sind nicht in Sicht. Es bleibt nur, die Bitte in Richtung Vermarkter, Verarbeiter und den Lebensmitteleinzelhandel zu richten: „Geht verantwortungsvoll mit der Landwirtschaft um!“ Das hat der Bauernverband am Mittwoch mit 100 Aktionen bundesweit getan. „Mit dem bundesweiten Aktionstag fordern die deutschen Bauernfamilien eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel und setzen ein klares Zeichen gegen die anhaltend niedrigen Erzeugerpreise von landwirtschaftlichen Erzeugnissen“., so DBV-Präsident Joachim Rukwied. „Die Landwirte wollen dem Verfall der Wertschöpfung nicht mehr tatenlos zusehen. Derzeit kommt beim Bauern immer weniger an, so dass zahlreiche Betriebe um ihre Existenz bangen müssen.“, mahnt der Bauernpräsident.

Gier auf dem Rücken der Landwirte
Dass Edeka ausgerechnet auf Tengelmann spitz ist, ist keineswegs Zufall. Sowohl Edeka als auch Tengelmann setzen auf Frischeprodukte und Regionalität. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat mit einer Sondererlaubnis, mit der er kartellrechtliche Entscheidungen aushebeln kann, der Übernahme zugestimmt. Der Rewe-Konzern, der ebenfalls viele regionale Produkte im Sortiment hat, zieht vor Gericht, um die Vergrößerung von Edeka abzuwehren. Doch eines ist klar: Je weniger Bewerber sich auf dem Markt tummeln, desto höher sind die Verbraucherpreise. Jedoch wird bei den Landwirten wieder nichts ankommen. Die Auswahl der Verhandlungspartner der Verarbeiter, wie Molkereien und Fleischproduzenten, sinkt ebenfalls. Umso mehr sind diese gefordert. Die Preiseschere wird sich noch schneller öffnen.

Michi Jo Standl

* Quelle: Statistisches Bundesamt

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