„Die Bauern hier brauchen das Internet“

Fred van Bree (62) wohnt sechs Meter unterhalb des Meeresspiegels. Dennoch hat er als Repräsentant von gruuna in den Niederlanden den Überblick über den dortigen Agrarmarkt. Im Interview verrät er, warum die Landwirte in seiner Heimat ein besonderes Verhältnis zum Online-Handel haben.

 

Herr van Bree, Sie wohnen in Dronten, einer 40.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten der Niederlande. Wie kommt es, dass Sie gruuna in Ihrem Land repräsentieren?

Wie das Leben so spielt: Ich habe lange Zeit in Deutschland gelebt, in Laufdorf bei Wetzlar. Und Dieter Herrmann, der Vater des gruuna-Gründers Christoph Herrmann,  fragte mich eines Tages, ob ich nicht Kontakt zu Getreidehändlern bei uns hätte und mich erkundigen könnte, inwiefern gruuna dort auf Interesse stößt. Und weil ich in meiner Heimat oft und gern wandere und auf diesen manchmal mehrtägigen Wanderungen viele Menschen kennenlerne, hatte ich auch solche Kontakte.

Ihre Heimatprovinz ist ja nicht nur als Wanderparadies beliebt, sondern auch landwirtschaftlich geprägt …

… und sie ist noch sehr jung. Dronten selbst wurde erst seit 1972 neu errichtet – auf Land übrigens, dass dem Meer abgetrotzt wurde. Deshalb liegen wir hier auch sechs Meter unterhalb des Meeresspiegels. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass die Landwirte wie alle Menschen hier Neuem gegenüber recht aufgeschlossen sind.

Gilt das auch für den Online-Handel mit Agrarprodukten?

Ich denke schon. Aus Untersuchungen wissen wir, dass 95 Prozent der Landwirte in den Niederlanden einen Internetzugang haben und nutzen. Fast die Hälfte von ihnen kauft auch regelmäßig im Internet ein. Insofern können wir da schon von einer gewissen Internet-Affinität ausgehen, die möglicherweise sogar größer ist als bei Landwirten in Deutschland. Das liegt auch daran, dass die Bauern hier das Internet brauchen, um über ihre bestehenden Kontakte hinaus am Markt aktiv zu werden. Ich kenne zum Beispiel Kartoffelbauern, die durch teils sehr unvorteilhafte Kontrakte an Pommesfabriken gebunden sind. Das werden sie sicherlich auch bleiben. Aber nachdem ich ihnen gruuna vorgestellt habe, überlegen sie, ob sie nicht einen Teil ihrer Produktion auf diesem Weg international vermarkten sollten.

Sie scheinen sich ja bestens mit der Landwirtschaft in Ihrer Heimat auszukennen. Sind sie selbst Landwirt?

Überhaupt nicht. Ich habe mein ganzes Leben im Personalmanagement gearbeitet, zuletzt elf Jahre lang als Vice President Global Human Resources – also kurz gesagt: als Personaldirektor – bei Leica Microsystems in Wetzlar. Das ist die weltweit führende Marke für Mikroskope und wissenschaftliche Instrumente und hatte mit Landwirtschaft herzlich wenig zu tun. Aber ich lerne gern neue Menschen und auch neue Fachgebiete kennen. Das macht die Arbeit für gruuna so reizvoll für mich.

Vielen Dank für das Gespräch.

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