Der Eierskandal und die nicht gewollten Folgen

Wie Focus Online unter Berufung auf Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ schreibt, ist die deutsche Agrarbranche von einem neuen Bioskandal gebeutelt. Betriebe aus Mecklenburg-Vorpommern sollen demnach Millionen falscher Bio-Eier in den Handel gebracht haben. Sogar die Staatsanwaltschaft habe sich bereits eingeschaltet, heißt es in dem Bericht.

Die in Verdacht geratene Erzeugergemeinschaft hat allerdings alle Vorwürfe von sich gewiesen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium kündigte Aufklärung an. Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten würden, könnte es um Betrug im größeren Stil gehen, so ein Ministeriumssprecher. „Wo Bio drauf steht, muss auch Bio drin sein“, ist sich der Sprecher weiter sicher.

Die Erzeugergemeinschaft liefert etwa 80 Millionen Bio-Eier im Jahr und zählt somit zu den größten Öko-Erzeugern Deutschlands. Die Auswertung von Luftbildern einiger Betriebe hatten Zweifel aufkommen lassen, ob die Hühner auch wirklich nach den Bio-Richtlinien gehalten werden, wie der „Spiegel“ recherchierte. Die Gemeinschaft, der 14 Betriebe angehören, erklärte auf ihrer Website: „Jeder unserer Höfe in der Gemeinschaft hat die Ökoverordnung befolgt und die Richtlinien eingehalten.“ Darüber hinaus wollten sich die Bioproduzenten Medien gegenüber nicht äußern.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Rostock vier Betrieben vor, dass die Legehennen zu wenig Auslauf hätten. Planmäßige Vortäuschung sehe man aber nicht, wie der Staatsanwalt Medien gegenüber bestätigt. Wenn ein Huhn weniger als vier Quadratmeter Auslauf hat, dürfen die Eier nur mit dem Zertifikat „Bodenhaltung“ deklariert, aber nicht als „Bio-Eier“ verkauft werden. Die Flächenangaben seien zwischen 10 und 30 Prozent unterschritten worden, so die Ermittler. Im Raum stehen auch wieder einmal unzureichend Kontrollen. Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin lenkte ein, bereits im vergangenen Jahr zusätzliche Kontrollen durch staatliche Behörden angeordnet zu haben. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass die betroffenen Betriebe unzureichend kontrolliert worden seien, so eine Sprecherin.

Europäische Union reagiert
Fast zeitgleich mit dem Bekanntwerden dieses neuen vermeintlichen Bio-Skandals präsentiert die EU strengere Bio-Richtlinien. Das Einschreiten der EU hat wohl nichts mit den Mecklenburg-Vorpommerschen Eiern zu tun. Allerdings reagiert man scheinbar auf die gehäuften Vorkommnisse der vergangenen Jahre. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos legte am Dienstag um 12 Uhr die Reform in Brüssel vor. Das Vorhaben, die Betriebe noch mehr zu kontrollieren, benötigt nur noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments und der EU-Staaten.

„Die Zukunft des Bio-Sektors in der EU hängt von Qualität und Integrität der unter dem EU-Öko/Bio-Siegel abgesetzten Erzeugnisse ab. Die Kommission strebt nach mehr und besseren Bio-Erzeugnissen für die EU und will dies erreichen, indem das Vertrauen der Verbraucher in Bio-Erzeugnisse gefestigt wird und Hindernisse für den Ausbau der ökologischen Produktion in der EU beseitigt werden. Dieses Paket kommt Verbrauchern und Landwirten gleichermaßen zugute. Die Verbraucher erhalten Garantien für in der EU erzeugte und verkaufte Bio-Produkte, und die Landwirte, Erzeuger und Verkäufer erhalten Zugang zu einem größeren Markt, sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU.“, so Ciolos bei der Präsentation der Reform.

Unter anderem soll künftig der Einsatz von konventionellem Futter und Saatgut sowie die Verunreinigung durch Pestizide strenger werden. Die angezogenen Zügel strenger zu kontrollieren, ist ebenfalls Bestandteil der Reform. Andererseits soll durch eine Gruppenzertifizierung kleineren Betrieben der Zugang in die ökologische Landwirtschaft erleichert werden.

Bis zur Aufklärung des Bio-Eier-Skandals an der Ostsee gilt natürlich die Unschuldsvermutung der Erzeugergemeinschaft. Sollten sich die Verdachtsfälle allerdings bewahrheiten, ist dies wiedereinmal nicht nur ein Fall von Vertrauensbruch den Konsumenten gegenüber, sondern Unfairness gegenüber der gesamten Agrarbranche. Denn die Richtlinien, die wohl nach jedem Skandal strenger werden, werden über kurz oder lang kleine Biobetriebe vom Markt verschwinden lassen.

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