Betteln erlaubt: Crowdfunding fasst in Landwirtschaft Fuß

Crowdfunding setzt sich seit etwa 2011 auch in Deutschland durch. Bei dem Finanzierungsmodell ist es nicht verwerflich, Privatleute für Projekte um Geld „anzupumpen“. Auch in der Landwirtschaft fasst das Modell schön langsam Fuß.

Wenn man den englischen Begriff ins Deutsche übersetzt, ist die Funktionsweise selbstredend. „Crowd“ steht für Menge oder Schwarm, „Funding“ bedeutet Finanzierung. Der Deal ist recht einfach: Man sucht Investoren, die in ein Projekt Geld stecken und dafür beteiligt werden oder Gegenleistungen naturaler Art bekommen. Je mehr Leute sich auf eine Investition in die kreative Idee einlassen, desto weniger muss der Einzelne locker machen, damit das Projekt realisiert werden kann.

Die Herausforderung ist allerdings, die Geldgeber von seiner Idee zu überzeugen und ihnen glaubhaft Gewinn oder Vorteile in Aussicht zu stellen. Kontakte kommen meist über Internetplattformen wie indiegogo.com oder seedmatch.de, auf denen man sein angestrebtes Projekt präsentiert, zustande.

Ob die Anschaffung einer neuen Maschine, der Umbau des Hofladens oder eine Werbekampagne für seine Produkte – alles kann theoretisch über Crowdfunding finanziert werden. Auch bei den Gegenleistungen sind schier keine Grenzen gesetzt. Denn was nach „großem Business“ aussieht, kann auch mit kleineren Brötchen gebacken werden. So haben zum Beispiel Schleswig-Holsteiner Biolandwirte einen „Geld gegen Naturalien“-Deal zustande gebracht, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Für die Entwicklung einer neuen Produktionsmaschine benötigten die norddeutschen Betriebsinhaber Geld. Als Gegenleistung boten sie Rezeptsammlungen, Gemüsepakte oder Übernachtungen im Heu an – und es hat funktioniert. Die Aktion brachte rund 7.400 Euro ein.

Ein anderes Modell hat eine Winzerin aus der Moselregion bereits vor 20 Jahren umgesetzt, wie das Magazin eine weitere Erfolgsgeschichte beschreibt. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin hat schon damals Genussscheine, wie sie an der Börse üblich sind, ausgegeben. Weinliebhaber aus der Region haben für die Erweiterung ihres Betriebes zinslos Geld zur Verfügung gestellt – nicht ganz ohne Zinsen, denn diese flossen in Form von Riesling zurück an die Geldgeber. Und sie ist dabei geblieben. Bei einer Einlage von 2.500 Euro und fünf Jahren Laufzeit beträgt der Weinzins sechs Prozent und am Ende einer Laufzeit bekommen die Investoren lediglich die Einsatzsumme zurück. Inzwischen hat die Betriebsinhaberin den Zukauf von Land, darunter erhaltenswerte Weinberge in erster Lage, finanziert, weiß die WirtschaftsWoche.

Crowdfunding ist sicher eine gute Alternative zu Bankkrediten. Voraussetzung ist ein schlüssiger Businessplan und Überzeugungskraft.

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