Artenvielfalt: Volksbegehren wirft Fragen auf

Dass es bei dem bayerischen Volksbegehren um den Erhalt der Artenvielfalt geht, ist selbstredend. Doch was bedeutet das für die Landwirte? Einige Fragen sind noch offen.

Noch bis morgen, 13. Februar, haben in Bayern Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, das “Volksbegehren Artenvielfalt” zu unterzeichnen. Medienberichten zufolge wurde die notwendige Stimmenanzahl von zehn Prozent der Wahlberechtigten aber schon heute erreicht. Über eine Million Menschen haben offenbar unterschrieben. Ministerpräsident Markus Söder hatte schon Anfang der Woche Gesprächsbereitschaft signalisiert, auf die Forderungen einzugehen. Dem Wunsch der Initiatoren zufolge sollen in Bayern bis 2030 30 Prozent mehr Flächen ökologisch bewirtschaftet werden.

Höhere Artenvielfalt – aber zu viele Bioprodukte?

Der Ausbau des biologischen Landbaus soll durch Pestizidverzicht die Artenvielfalt erhöhen. Das wünschen sich Naturschützer. Kritiker machen sich aber darüber Gedanken, ob der Bio-Markt überhaupt noch mehr biologisch produzierte Produkte braucht. Ein Bio-Landwirt aus Schwaben gibt in einem Video auf der Internetseite des Bayerischen Bauernverbandes zu bedenken: „Wenn ihr mehr Bio wollt, müsst ihr auch mehr Bio kaufen.“ Für ihn macht es keinen Sinn, per Volksbegehren einen höheren Bio-Anteil zu fordern, wenn die Produkte am Ende niemand kaufe. Gerade der bayerische Milchmarkt ist mit Bio-Milch so übersättigt, dass Molkereien Bio-Produzenten ablehnen.

Tatsache ist: Gerade der bayerische Bio-Milchmarkt ist aktuell nicht weiter aufnahmefähig. Fast alle Molkereien weisen interessierte Biomilch-Produzenten ab, da ihr Bedarf bereits gedeckt ist.

Werden Förderungen abgeschafft?

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht die Sachlage umgekehrt. Laut br.de sieht der Verein eine Chance für die bayerischen Biolandwirte, da viele Produkte aus dem Ausland importiert werden müssten, um die Nachfrage zu stillen. Der BBV befürchtet allerdings, dass Förderungen für Umweltleistungen ausgehebelt werden könnten, wenn die ökologische Bewirtschaftung verpflichtend wird. Wenn Verbraucher nicht gleichzeitig verstärkt auf Bioprodukte zurückgreifen, könnten diese durch fehlende Förderungen teurer werden. Bis jetzt bekommen Landwirte für Umweltleistungen staatliche Unterstützung.

Die AbL geht davon aus, dass Förderungen bei verpflichtender ökologischer Bewirtschaftung nicht zwingend wegfallen müssten und vergleicht die Sachlage mit dem Tierschutz. Auch das Tierschutzgesetz verhindere nicht die Förderung tiergerechter Haltungsformen. Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften mache Förderung nicht unmöglich, sondern sei sogar Voraussetzung, Fördergelder zu erhalten, zitiert br.de den Verein.

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