Viele Verbraucher halten Molkereien für unglaubwürdig

Eine repräsentative forsa-Umfrage zeigt die Wahrnehmung der Verbraucher zu Milch und Milchproduktion auf. Die Ergebnisse sind teilweise überraschend.

Zum Beginn ihrer Projektarbeit hat die neu gegründete Initiative „Dialog Milch“ eine repräsentative Umfrage zur Wahrnehmung, Bedeutung, Vertrauen und Erwartung der deutschen Bevölkerung in die Milchwirtschaft in Auftrag gegeben. Die Umfrage zielte unter anderem darauf ab, die Aspekte und die Bedeutung der Landwirtschaft gegenüber anderen Branchen zu erheben.

Milch für täglichen Bedarf unverzichtbar
Drei Viertel aller Deutschen hält demnach die Landwirtschaft für wichtiger oder sogar sehr viel wichtiger als jede andere Wirtschaftsbranche. Von der Milchwirtschaft sagen das sogar 86 % aller Befragten. Diese Bedeutung spiegelt sich auch beim täglichen Lebensmittelkonsum wider. Für nahezu jeden Deutschen (98 %) gehören Milchprodukte zur täglichen Ernährung. Damit rangieren Milch und Milchprodukte aus der Sicht der überwiegenden Mehrheit der Verbraucher vor Obst, Gemüse und Brot (97 %) und deutlich vor Fleisch (92 %). Zwei Drittel der Befragten geben an, dass die Marke für sie entscheidender sei als der Preis. Nur ein Drittel richtet die Kaufentscheidung nach dem Preis. Zwei Drittel kaufen Milchprodukte aus biologischer Herstellung.

Viele Verbraucher kennen Milchpreise nicht
Weniger als die Hälfte wissen, wie viel Milch kostet. Zugrunde legend, dass ein Liter Vollmilch zum Zeitpunkt der Befragung im bundesdeutschen Durchschnitt zwischen 51 und 80 Cent gekostet hat, wissen nur 44 % aller Befragten, wie viel für einen Liter Milch im Geschäft zu bezahlen ist. Fast die Hälfte aller Verbraucher schätzen den Preis für konventionell hergestellte Milch erheblich höher ein. 22 % sind demnach der Meinung, ein Liter Milch kostet 81 Cent bis 1 Euro, 19 % der Befragten schätzten den Preis auf über 1 Euro. Verbraucher beschäftigen sich offensichtlich auch nicht mit den wirtschaftlichen Hintergründen der Milchproduktion, denn nur ein Viertel der Befragten kennt den Milchauszahlungspreis für deutsche Landwirte.

Wenig Vertrauen in Molkereien
70 % der Befragten sind überzeugt davon, dass die Landwirtschaft ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit entwickelt hat und auch viel dafür tut. Knapp die Hälfte (49 %) indessen glaubt, dass sich die Milchwirtschaft zugleich „stark“ für das Wohlergehen der Kühe in modernen Milchviehbetrieben einsetzt. Größer ist die Skepsis gegenüber den Molkereien. Fast drei Viertel der Befragten (73 %) haben Zweifel daran, dass die Milchindustrie aufrichtig kommuniziert, wenn es um die Begründung der aktuell niedrigen Milchauszahlungspreise für die Bauern geht. Die Begründung der Molkereien, dass der aktuelle Preisverfall durch „massive, nicht vorhersehbare Einbrüche des Weltmarkts“ verursacht sei, halten nur 23% für glaubwürdig.

„Dialog Milch“ wird von den Landesvereinigungen der Milchwirtschaft Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen getragen. Die Initiative hat sich zur Aufgabe gemacht, einerseits bei den Verbrauchern für Verständnis zu werben und andererseits Landwirte von der Bereitschaft zu Veränderungen zu überzeugen. Im Mittelpunkt steht, wie der Name schon sagt, der Dialog zwischen Konsumenten, Milchverarbeitern und Milchviehbetrieben.

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