Bäuerlich contra „Industrie“: Wann kehrt Vernunft ein?

Bundesminister Schmidt holt Initiativen an einen Tisch. Grüne verharren weiter auf ihrem Standpunkt.

In die Debatte zwischen Vertretern der „bäuerlichen“ Landwirtschaft und Biobauern, die es „satt haben“ und konventionellen Landwirten, die mit ihrer Aktion „Wir machen euch satt“ auf die Straße und an die Öffentlichkeit gehen, hat sich nun Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) eingeschaltet.

„Man muss miteinander reden statt übereinander zu urteilen“, so der Bundesminister. Deshalb hat er am Rande der Internationalen Grünen Woche in Berlin Vertreter beider Initiativen an einen Tisch gebeten, um in Dialog zu treten. „Mir ist es wichtig, Brücken zu bauen zwischen Landwirten und Verbrauchern – für ein besseres Verständnis, für eine größere Akzeptanz und für mehr Transparenz.“, sagte Schmidt. Denn nur im Miteinander schaffe man eine Landwirtschaft, die gesellschaftlich akzeptiert, wirtschaftlich tragfähig und fest verankert ist in der Mitte der Gesellschaft!“

Grüne haben es weiterhin satt
Während Bundesminister Schmidt versucht, Brücken zu bauen, ist die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter, in eine nächste Runde der schon jahrelang andauernden Debatte getreten. „Die hohe Zustimmung zum Volksbegehren gegen Massentierhaltung in Brandenburg zeigt: Immer mehr Menschen haben es satt, dass Tiere in regelrechten Fabriken gehalten werden. Sie wünschen sich eine umweltfreundliche Landwirtschaft ohne Mega-Mastanlagen, Antibiotikamissbrauch und Pestizide.“, versucht Peter die Verbraucher anlässlich der IGW erneut zu überzeugen. Das System der herkömmlichen Intensivtierhaltung befördere Preisdumping und verhindert damit eine tiergerechte Haltung. Massive Gesundheitsprobleme seien die Folge. Damit müsse endlich Schluss sein, so die Grünen-Politikerin.

Die Vertreter von „Wir machen euch satt“ sind allerdings ebenfalls nicht für Industrie und Preisdumping. Auch die konventionellen Landwirte stehen für optimalen Tierschutz. Es ist also höchste Zeit, wirklich miteinander zu reden.

IVA stellt Studie vor: Konventionelle Landwirtschaft offenbar nachhaltiger als Bio
Der Industrieverband Agrar (IVA) hat pünktlich zur IGW eine Studie vorgestellt, derzufolge konventionelle Landwirtschaft die Biodiversität mehr unterstützt als der ökologische Landbau. Bezogen auf den Ernteertrag (zum Beispiel eine Tonne Weizen je Hektar) geht laut der von der HFFA Research GmbH durchgeführten Erhebung deutlich weniger Artenvielfalt bei konventioneller Bewirtschaftung verloren. Die Ursache dafür sei der mehr als doppelt so hohe Flächenertrag der produktiveren modernen Landwirtschaft, so der IVA.

Dr. Steffen Noleppa, Autor der Studie, hatte Daten aus dem Testbetriebsnetz des Bundeslandwirtschaftsministeriums ausgewertet, um die Ertragsunterschiede zwischen ökologischem und konventionellem Landbau in Deutschland zu bestimmen. Im gewogenen Mittel aller Ackerbaukulturen erzielte der ökologische Landbau in den Wirtschaftsjahren 2010/11 bis 2013/14 durchschnittlich 51 Prozent geringere Erträge. Das bedeute im Umkehrschluss dass der Flächenbedarf für die Herstellung der gleichen Erntemenge mehr als doppelt so hoch war, heißt es aus dem Industrieverband Agrar.

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